Untertunnelung des Englischen Gartens

Die Vollversammlung des Stadtrats hat grünes Licht für den Bau eines Tunnels unter dem Englischen Garten gegeben. Dieser Tunnel unter dem heutigen Isarring soll den vor rund 50 Jahren getrennten Münchner Stadtpark wieder vereinen. Der Baubeginn findet voraussichtlich 2023 statt.

Der Englische Garten ist ein Aushängeschild der Stadt München und gehört mit seiner Fläche von 375 Hektar zu den größten innerstädtischen Parkanlagen der Welt. Bereits 1789 wurde er, damals noch als „Volksgarten“, vom Kurfürsten Carl Theodor als erste Anlage seiner Art in Europa begründet. Rund 6 Millionen Besucher, darunter auch viele Touristen, erkunden im Jahr den Münchner Stadtpark. In den 1960ern wurde der Englische Garten in einen nördlichen und einen südlichen Teil durch den Bau einer Schnellstraße getrennt.

Der Isarring als Teil des Mittleren Rings zerschneidet heute die Parkanlage ungefähr auf Höhe des Kleinhesseloher Sees und des Seehauses. Die ursprünglichen Wege und Bäche sind dadurch unterbrochen worden. 110.000 Autos verkehren täglich auf der vierspurigen Schnellstraße durch den Park. Bei der Iffland- und der Dietlindenstraße bilden sich bei hohem Verkehrsaufkommen häufig Staus. Der durch die Schnellstraße entstehende Verkehrslärm stört sowohl die Anwohner als auch die Erholungssuchenden im Englischen Garten. Zudem ist der nördliche Teil des Parks nur über eine schmale Brücke für Fußgänger und Radfahrer zugänglich und eher wenig frequentiert.

Bereits seit einigen Jahren besteht die Idee einer Untertunnelung des Parks. Nun rückt die Realisierung des Bauvorhabens näher. Mit der Bestätigung des Projektes durch die Vollversammlung des Stadtrats wird das Baureferat nun mit den Vor-, Entwurfs- und Genehmigungsplanungen beginnen. Drei Varianten mit unterschiedlichen Tunnellängen wurden dem Planungsreferat vorgestellt. Bevorzugt wird eine mittellange Variante des Tunnels. Demnach soll der Tunnelbau 390 Meter lang werden.

Durch die Untertunnelung kann der Englische Garten an der Oberfläche wiedervereinigt und in seine ursprüngliche Form nach den Plänen seines Schöpfers Friedrich Ludwig von Sckell zurückversetzt werden. Somit können die Besucher wieder die vollen 5 Kilometer des Parks nutzen und das Erholungsangebot des Englischen Gartens umfassend ausschöpfen. Das historische Wegenetz kann wiederhergestellt werden und die Sichtachsen können wie zuvor in nordsüdlicher Ausrichtung verlaufen. Viele Bäche, die nun unterirdisch oder im Betonkanal liegen, sollen wie ursprünglich an der Oberfläche fließen und der nördliche Teil des Englischen Gartens wird wieder direkt erreichbar.

Durch den Tunnelbau soll auch das Stauproblem an dieser Stelle des Mittleren Rings gelöst werden. Den Planungen zufolge wird der Verkehr künftig sechsspurig statt wie bisher vierspurig verlaufen. Durch den Tunnelbau wird die Lärmbelastung für die Anwohner reduziert. Die Planungen sehen zudem vor, den Isarring um etwa 12 Meter nach Norden zu verschieben. Damit entsteht am Kleinhesseloher See zusätzlicher Platz, der es ermöglicht, dass der Schwabinger Bach wieder frei verlaufen kann.

Eine repräsentative Umfrage von Infratest im Jahr 2013 übertraf mit ihrem Ergebnis die Erwartungen der Planer. Rund 83% der telefonisch befragten Münchner befürworteten den Parktunnel. Die Mehrheit der Befragten begründet ihr Votum auf die historische Wiedervereinigung des Englischen Gartens. Weitere häufig genannte Gründe sind unter anderen der Erhalt des ökologischen Raumes und die Schaffung neuer Grünflächen sowie die Verkehrs-, Lärm- und Abgasreduktion.

Die Kosten der Baumaßnahmen für die Untertunnelung des Englischen Gartens werden auf etwa 125 Millionen Euro geschätzt. Der Planungszeitraum wird voraussichtlich ca. 6 Jahre in Anspruch nehmen, der Bau des Tunnels etwa weitere 4,5 Jahre. Ein Baubeginn ist damit erst im Jahr 2023 realistisch.