Folgen des Brexit: Bauzinsen in Deutschland auf historischem Tiefstand

Brexit sorgt für Unsicherheit am Markt

Am 23. Juni 2016 erschütterte die Brexit-Abstimmung in Großbritanien ganz Europa. Das Unvorstellbare war eingetreten: Die britische Bevölkerung hat mit knapper Mehrheit dafür gestimmt, aus der Europäischen Union auszutreten. Die langfristigen politischen und gesamtvolkswirtschaftlichen Folgen sind vier Wochen später noch nicht seriös zu beurteilen. Auch wann die Austrittsverhandlungen beginnen werden, ist weiter ungewiss. Zu beobachten ist aber schon jetzt, dass die bereits niedrigen Bauzinsen in Deutschland in Folge des Brexit weiter gesunken sind.

Schon vor der Brexit-Abstimmung befand sich das Bauzinsniveau auf historisch niedrigen Tiefständen. Durch den Brexit sind die Zinsen nochmals gefallen. Für ein Baudarlehen über fünf Jahre müssen Kreditnehmer aktuell nur noch 1 Prozent Zinsen zahlen. Die Zinssätze für 10-Jahres –und 15-Jahres – Darlehen liegen bei 1,22 und 1,65 Prozent.

Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Brexit-Ergebnis und den gefallenen Bauzinsen ist nicht von der Hand zu weisen. Nervosität und Unsicherheit haben sich an den Finanzmärkten rasch breit gemacht. Die Konsequenz: Mehr Geld fließt in sichere, bonitätsstarke Anlagen – auch nach Deutschland. In der Folge fielen die Renditen von Bundesanleihen und Pfandbriefen. An genau diesen Renditen orientieren sich aber viele Banken bei der Festlegung vom Bauzinsniveau für private Bauherren.

Banken senken die Bauzinsen

Große Baufinanzierer wie die Allianz, die Münchner Hyp, die ING-Diba oder die Postbank haben den Bauzins signifikant, teilweise um 10 Basispunkte, gesenkt. Dennoch bieten beispielsweise die ING-Diba und die Allianz zusätzliche Rabattaktionen für Kreditnehmer an. Dadurch sind Baukredite mit Zinssätzen unter einem Prozent immer mehr zu bekommen.

Auf null Prozent wird das Bauzinsniveau, zumindest bei höheren Krediten, wohl nicht sinken – dennoch sind weiter fallende Hypothekenzinsen zu erwarten. Unter bestimmten Konditionen (kurze Laufzeiten, große Darlehensvolumen, niedrige Beleihung) sind schon jetzt Baudarlehen mit unter 0,6 Prozent Zinsen zu bekommen – das sind historische Tiefstwerte.

Null-Prozent-Kredite sind zwar auch in Deutschland denkbar – allerdings nur für Werbezwecke oder bei noch weiter sinkenden Kapitalmarktzinsen. Wirtschaftlich wären sie für die Kreditgeber anderweitig nicht.

Deutschland ist nicht alleine

In anderen Ländern ist die Entwicklung noch deutlicher zu erkennen. So wirken sich die Kapitalmarktzinsen in Dänemark besonders stark auf die Bauzinsen aus. Nach der Brexit-Abstimmung floss massiv Geld in sichere Anlagen in dänischer Krone.

Ein Unterschied zu Deutschland: Baudarlehen haben in Dänemark variable Zinsen. Statt auf 10 oder 15 Jahre festgeschrieben zu sein, schwanken die Bauzinsen mit den Kapitalmarktzinsen. Dadurch waren Baukredite mit kürzeren Laufzeiten in Dänemark teilweise schon zu Negativzinsen zu bekommen.

Perspektiven für Immobilieninteressenten

Fazit: Haus- und Wohnungskäufer erhalten aktuell Immobilienkredite so günstig wie nie zuvor – neuester Treiber dieser Entwicklung ist der spektakuläre Brexit. Auch Immobilienbesitzer mit laufenden Finanzierungen müssen sich um die Zinsen keine Sorgen machen.

Der Zeitpunkt für Immobilienkäufe ist günstig. Dennoch gibt es keine Notwendigkeit, sich bei der Finanzierungsentscheidung unter Druck zu setzen. Für detaillierte Vergleiche der Optionen ist genug Zeit da – und es kann sich lohnen. Bei den hohen Hypothekenvolumina und langen Laufzeiten machen sich selbst Unterschiede in der zweiten Nachkommastelle finanziell bemerkbar.

Selbstverständlich gibt es noch viele weitere Aspekte rund um die Themen Immobilien und Kapitalanlage. Unsere Mitarbeiter sind Experten zu allen Fragestellungen und freuen sich auf ein persönliches Gespräch mit Ihnen. Rufen Sie uns an: 089 / 2060330-0 oder schreiben Sie uns: info@hi-wohnbau.de.